BHGL-Forum 2014 “Die Ausbildung von Lehrern für den Gartenbau in Deutschland”

Welche Anforderungen werden aus der Praxis an die Absolventen der Lehrerbildungsstudiengänge gerichtet und welche Konzepte für die Lehrerbildung werden an der Universität und der Hochschule vorgehalten? Diese Fragen standen am 20. November 2014 an der Fachhochschule Erfurt beim Forum des Bundesverbandes der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) im Blickpunkt.

In Deutschland werden jährlich rund 50 Berufsschullehrer in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau benötigt. Nach Prof. Dr. Peter Braun, Leiter des Instituts für Obstbau an der Hochschule Geisenheim, wird dieser Bedarf nicht gedeckt, da es bisher nicht genügend Lehramtsstudiengänge im Gartenbau gibt. Daher besteht seit dem Sommersemester 2014 für die Bachelor-Absolventen der Hochschule Geisenheim aus der Vertiefung Garten- und Landschaftsbau die Möglichkeit, durch die Kooperation mit der TU Darmstadt den Studiengang Master of Education (Lehramt an beruflichen Schulen) zu belegen.

Deutschlandweit gibt es darüber hinaus nur noch an der Humboldt-Universität zu Berlin Lehramtsstudiengänge im Gartenbau. Bei dem Kombinationsbachelor wurde das Studium für das Lehramt konzipiert. Es kann aber auch ohne Lehramtsoption studiert werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, für das Lehramt einen Master of Education in Agrar- und Gartenbauwissenschaften und einem Zweitfach zu erlangen.
Für den dortigen Juniorprofessor in der Fachdidaktik Agrar- und Gartenbauwissenschaften Prof. Marcel Robischon ist die Lehrerpersönlichkeit die wichtigste Voraussetzung. Eine Universität könne diese Fähigkeiten in der Ausbildung nur weiterentwickeln.

Den Berufsschulalltag an einer berufsbildenden  Schule in Niedersachsen skizzierte Dr. Linda Groot. Immer mehr Schüler weisen Verhaltensauffälligkeiten im sozio-emotionalen Bereich auf. Zudem leben die Schüler oftmals auch in prekären Lebensbedingungen. Für die Berufsschullehrerin braucht eine Lehrkraft daher neben einer hohen Flexibilität in den Fachrichtungen und einem guten Bezug zur fachlichen Praxis zunehmend auch ein hohes Maß an (sonder-)pädagogischen Fähigkeiten.

Der Leiter des Gartenbauzentrum Essen, Dr. Karl-Heinz Kerstjens, berichtete aus Sicht der Fachschulen für den Gartenbau. In Nordrhein-Westfalen ist 42 % des Lehrerbestandes im Gartenbau über 50 Jahre alt. Daher müssten mittelfristig 229 ältere Lehrer ersetzt werden. Ein Lösungsansatz für den Berufsschullehrermangel seien Seiteneinsteiger, sogenannte OBAS-Kandidaten, die an einem berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst teilnehmen.

Lothar Ney, Berufsschullehrer am Wilhelm-Normann-Berufskolleg in Herford, stellte die Herausforderungen der Inklusion in Berufsschulen dar. Inklusion beschreibt eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen. Es handle sich um einen dynamischen gesellschaftlichen Prozess. Die Diskussion, wie Inklusion im Schulalltag realisiert werden kann, sei in den Berufsschulen noch gar nicht angekommen.

Die Referenten des Forums waren sich einig, dass angehende Berufsschullehrer zunehmend psychologisch geschult werden müssen und mehr Praxiserfahrung brauchen. Außerdem sollte Studierenden von Lehramtsstudiengängen bei Studienabbruch immer ein Notfallweg offenstehen. Um den Bedarf an Berufsschullehrern in den nächsten Jahren zu decken, müsste juristische Klarheit bei den Zulassungsvoraussetzungen geschaffen und der Bekanntheitsgrad des Berufsschullehrers erhöht werden. Zudem sollten die Lehramtsangebote im Gartenbau an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Hochschule Geisenheim unbedingt erhalten bleiben. Eine bundesweite Anerkennung der Lehramtsabschlüsse müsse dabei gewährleistet werden. BHGL-Präsident, Prof. Dr. Uwe Schmidt, sagte zu, der BHGL werde diese Forderungen aufnehmen und sich in seiner Verbandsarbeit für deren Realisierung einsetzen.

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