BHGL-Forum „Gartenbauwissenschaften zwischen Praxisanspruch und Impaktfaktor“

Am 20. November 2013 lud der BHGL in Berlin zum Forum mit dem Thema „Gartenbauwissenschaften zwischen Praxisanspruch und Impaktfakor“ ein.

Dabei wurden die aktuellen Schwierigkeiten der Gartenbauwissenschaften betrachtet, wie z.B. die Verzahnung der Gartenbauwissenschaften mit der Praxis und der wissenschaftlichen Arbeit. Die Referenten wurden gebeten, ausihrer Sicht die aktuelle Situation an den Universitäten und Fachhochschulen zu schildern.

Den Anfang machte Herr Hartmut Weimann, Vizepräsident des Zentralverbandes Gartenbau, der mehr Transparenz in der Forschung für die Umsetzung in die Praxis forderte. Des Weiteren ermutigte Herr Weimann alle Absolventen, dass diese einen großen Vorteil haben, denn sie könnten Querdenken und das theoretische Wissen mit der bodenständischen Praxis verknüpfen und umsetzen. Dadurch ergibt sich ein großer Vorteil, den sie nutzen sollten.

Herr Christopher Straeter, Forschungskoordinator WeGa, beschrieb seine Aufgabe darin, die Kompetenzen im Gartenbau zu bündeln und zu fokussieren. Auf der einen Seite wird gefordert, dass Forschung die Wirtschaft einbezieht wie z.B. durch Kooperationen. Jedoch fehlt es dabei an Differenzierung, in welchen Bereichen genau die Wirtschaft einbezogen werden muss.

Herr Prof. Andreas Ulbrich von der Hochschule Osnabrück belebt den Studiengang Produktionsgartenbau durch die Einbeziehung der angewandten Biologie. Dadurch wurde dieser für Studenten attraktiver und kann als Alternative zu einem Biologiestudium gesehen werden.

Ambivalent erlebt Frau Prof. Traud Winkelmann die Situation an der Leibniz Universität Hannover, denn gefühlt sitzt sie zwischen den zwei Stühlen angewandte Grundlagenforschung und Praxis. Desweitern sieht sie die Verteilung der Forschungsmittel kritisch, denn diese erfolgen nach dem Impaktfaktor in der jeweilig publizierten Zeitschrift. Zu diesen Schwierigkeiten kommen sinkende Studentenzahlen aber auch eine Verschlechterung der Qualität der Studierenden hinzu. Zum Beispiel liegen die Durchschnittsabiturnoten bei den Gartenbauwissenschaften bei 3 und geringer, bei den Biotechnologiestudiengängen mit fast identischen Lehrinhalten liegt diese bei der Note 2.

Frau Prof. Brigitte Poppenberger von der TU München – Weihenstephan, kann bei der Vergabe der Forschungsgelder „mitspielen“, denn sie weiß die wissenschaftlichen Methoden der Biologen zu nutzen, wodurch höhere Impaktfaktoren erzielt werden können und damit mehr Forschungsgelder zur Verfügung stehen. Sie fordert, dass der Gartenbau methodisch im 21. Jahrhundert ankommt. Jedoch gibt sie zu bedenken, dass es schwierig ist in 4 Semestern Masterstudium den Studierenden die breitgefächerten wissenschaftlichen Methoden beizubringen.

Herr Prof. Christian Ulrichs, Präsident der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft sowie von der Humboldt-Universität zu Berlin, sieht eher ein Selbstbewusstseinsproblem bei den Gartenbauwissenschaften. Er ist der Meinung, der Gartenbau sollte seine eigene Identität finden und nicht den Biologen nacheifern. Die Gartenbauwissenschaften müssten sich mitHilfe aktueller Themengebiete und moderner Technologien neu erfinden, um „mitzuspielen“ und etwas zu bewegen.

Der Präsident des BHGL, Herr Prof. Uwe Schmidt, verdeutlichte, dass die Gartenbauwissenschaften als systemisch orientiertes Wissenschaftsgebiet mit problemlösungsorientierten Ansätzen integraler Bestandteil der universitären Agrarforschung an mehr als nur einem Standort in Deutschland bleiben muss.

Das diesjährige Forum zeigte deutlich, dass es nicht nur Probleme in der Verzahnung der Forschung mit der Praxis gibt, sondern auch die Finanzierung von Forschungsprojekten sehr problematisch von statten geht. Themen der angewandten Wissenschaften werden nur in Zeitschriften mit niedrigen Impaktfaktoren publiziert und erhalten somit deutlich weniger Forschungsgelder als Projekte der Grundlagenforschung. Dies kann nur durch den Einsatz von modernen wissenschaftlichen Methoden und der Einwerbung von Forschungsgeldern durch Publikationen in Zeitschriften mit höheren Impaktfaktoren abgefangen werden. Oft fehlt auch die Langlebigkeit der Projekte, da Folgeaufträge nicht finanziert werden können und nach 3 Jahren die Förderung ausläuft. So müssen die Gartenbauwissenschaften oft bei null anfangen. Die Folge davon ist, dass für die Praxis Fragestellungen nur befriedigend bearbeitet werden können. Auch die Frage nach der Neubesetzung von Professorenstellen durch andere Disziplinen sehen einige Referenten positiv, denn nur durch Vernetzung können große Ideen entstehen. Dabei sei es wichtig, die Grundlagen der Gartenbauwissenschaften zu schützen, sich neu zu erfinden und mit aktuellen Themen zu identifizieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass oftmals die Praxis nicht weiß was die Wissenschaft macht und umgekehrt. Hier müssen weiter Brücken gebaut und sichtbargemacht werden. Das wichtigste für die Zukunft der Gartenbauwissenschaften ist die Kommunikation zwischen Universitäten und Fachhochschulen sowie Praxis und Forschung zum Beispiel in gemeinschaftlichen Netzwerken oder Einrichtungen. Auch die Neubewertung der Forschungsfinanzierungsmethoden und die Neudefinition des Studiengangs mit dem Erhalten ihrer Identität sollte ein grundlegendes Ziel für die Zukunft darstellen.

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