BHGL-Forum: Persönlicher Austausch bei Wissens- und Technologietransfer wichtig

Am 15. November 2012 lud der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) nach Hannover ein. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie verhindert werden kann, dass nach Abschluss von Forschungsprojekten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und neuen Technologieansätze zwar sorgsam in Publikationen und Berichten veröffentlicht werden, anschließend jedoch oft in der berühmten Schublade landen.

Diese wird heute auch gern mit dem „Tal des Todes“ umschrieben, in welches Innovationen abstürzen, die den Sprung vom Ufer der Forschung und Entwicklung zum Ufer der Praxis nicht schaffen.

Prof. Wolfgang Bokelmann von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte die Sektorstudie zur Untersuchung des Innovationssystems der deutschen Landwirtschaft vor. Er forderte, dass Netzwerkmanagement zu professionalisieren und hierfür entsprechende Mittel bereitzustellen. Der gesamte Innovationsprozess kann u.a. dadurch gestärkt werden, dass die Politik zunehmend Impulse für nachhaltige Innovationen setzt, die Verbrauchererwartungen konsequenter im Innovationsprozess berücksichtigt werden sowie Kontinuität in der Forschung und Entwicklung hinsichtlich Personal und Ressourcen gewährleistet wird. Harald Braungardt von der STEP Systems GmbH sieht vor allem die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, die von der Praxis gelesen werden, und in gemeinsamen Marketingaktivitäten als die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperationen. Nach Christopher Straeter wird innovationsfördernde Forschung im WEGA – Kompetenznetz Gartenbau in erster Linie durch die Bereitstellung einer offenen Netzwerkstruktur und der Fokussierung auf zeitlich befristete thematische Schwerpunkte initiiert. Im Rahmen des WEGA Verbundes kooperieren beispielsweise Obstbauern, Obsthändler mit der Hochschule Osnabrück und mit der Baumschule CAROLUS in Belgien, um gemeinsam eine leistungsfähige, angepasste und erfolgreiche Apfelsorte für Nordeuropa zu züchten. Die Apfelsortenzüchtung wird bislang kaum noch von staatlichen Einrichtungen betrieben. Neue Sorten wurden in der jüngsten Vergangenheit von privat betriebenen Einrichtungen herausgegeben. Dadurch müssen sich die Obstbauern und Händler den Lizenzverträgen fremder Sorteninhaber unterwerfen, erörterte Prof. Werner Dierend von der Hochschule Osnabrück die Beweggründe für den Züchtungsverbund.

Ein weiteres Verbundvorhaben ist die ZukunftsInitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG). Ziel dieses Verbundes ist es, für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern den Verbrauch fossiler Energie für die Heizung und damit die (fossilen) CO2-Emissionen möglichst auf Null zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein systemorientierter Ansatz durch Kombination technischer und kulturtechnischer Maßnahmen erforderlich. Die größte Herausforderung im ZINEG-Verbund ist der tägliche Kampf um den Erfolg der Teilprojekte, so BHGL-Präsident und Projektbeteiligter Prof. Uwe Schmidt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse der Untersuchungen werden durch Präsentationen vor Ort, Messen und Ausstellungen sowie Vorträge vor dem Berufsstand an die gärtnerische Praxis weitergegeben. Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück berichtete aus der Landespflege von dem Projekt „Grüne Doppik“. Ziel war die Entwicklung eines fachlich anerkannten Werkzeugs zur realistischen Bewertung von öffentlichen Grün- und Freiflächen.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle Referenten einig, dass künftig nicht nur Innovationen gefördert werden sollten, sondern auch Methoden zur Schulung für den Transfer. Die Beratung ist ein wichtiger Multiplikator, der sehr effizient arbeitet und dringend für den Wissens- und Technologietransfer gebraucht wird. Als besonders wichtig wird der persönliche Austausch von Wissenschaft und Praxis angesehen.

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