BHGL-Forum 2014 “Die Ausbildung von Lehrern für den Gartenbau in Deutschland”

Welche Anforderungen werden aus der Praxis an die Absolventen der Lehrerbildungsstudiengänge gerichtet und welche Konzepte für die Lehrerbildung werden an der Universität und der Hochschule vorgehalten? Diese Fragen standen am 20. November 2014 an der Fachhochschule Erfurt beim Forum des Bundesverbandes der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) im Blickpunkt.

In Deutschland werden jährlich rund 50 Berufsschullehrer in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau benötigt. Nach Prof. Dr. Peter Braun, Leiter des Instituts für Obstbau an der Hochschule Geisenheim, wird dieser Bedarf nicht gedeckt, da es bisher nicht genügend Lehramtsstudiengänge im Gartenbau gibt. Daher besteht seit dem Sommersemester 2014 für die Bachelor-Absolventen der Hochschule Geisenheim aus der Vertiefung Garten- und Landschaftsbau die Möglichkeit, durch die Kooperation mit der TU Darmstadt den Studiengang Master of Education (Lehramt an beruflichen Schulen) zu belegen.

Deutschlandweit gibt es darüber hinaus nur noch an der Humboldt-Universität zu Berlin Lehramtsstudiengänge im Gartenbau. Bei dem Kombinationsbachelor wurde das Studium für das Lehramt konzipiert. Es kann aber auch ohne Lehramtsoption studiert werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, für das Lehramt einen Master of Education in Agrar- und Gartenbauwissenschaften und einem Zweitfach zu erlangen.
Für den dortigen Juniorprofessor in der Fachdidaktik Agrar- und Gartenbauwissenschaften Prof. Marcel Robischon ist die Lehrerpersönlichkeit die wichtigste Voraussetzung. Eine Universität könne diese Fähigkeiten in der Ausbildung nur weiterentwickeln.

Den Berufsschulalltag an einer berufsbildenden  Schule in Niedersachsen skizzierte Dr. Linda Groot. Immer mehr Schüler weisen Verhaltensauffälligkeiten im sozio-emotionalen Bereich auf. Zudem leben die Schüler oftmals auch in prekären Lebensbedingungen. Für die Berufsschullehrerin braucht eine Lehrkraft daher neben einer hohen Flexibilität in den Fachrichtungen und einem guten Bezug zur fachlichen Praxis zunehmend auch ein hohes Maß an (sonder-)pädagogischen Fähigkeiten.

Der Leiter des Gartenbauzentrum Essen, Dr. Karl-Heinz Kerstjens, berichtete aus Sicht der Fachschulen für den Gartenbau. In Nordrhein-Westfalen ist 42 % des Lehrerbestandes im Gartenbau über 50 Jahre alt. Daher müssten mittelfristig 229 ältere Lehrer ersetzt werden. Ein Lösungsansatz für den Berufsschullehrermangel seien Seiteneinsteiger, sogenannte OBAS-Kandidaten, die an einem berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst teilnehmen.

Lothar Ney, Berufsschullehrer am Wilhelm-Normann-Berufskolleg in Herford, stellte die Herausforderungen der Inklusion in Berufsschulen dar. Inklusion beschreibt eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen. Es handle sich um einen dynamischen gesellschaftlichen Prozess. Die Diskussion, wie Inklusion im Schulalltag realisiert werden kann, sei in den Berufsschulen noch gar nicht angekommen.

Die Referenten des Forums waren sich einig, dass angehende Berufsschullehrer zunehmend psychologisch geschult werden müssen und mehr Praxiserfahrung brauchen. Außerdem sollte Studierenden von Lehramtsstudiengängen bei Studienabbruch immer ein Notfallweg offenstehen. Um den Bedarf an Berufsschullehrern in den nächsten Jahren zu decken, müsste juristische Klarheit bei den Zulassungsvoraussetzungen geschaffen und der Bekanntheitsgrad des Berufsschullehrers erhöht werden. Zudem sollten die Lehramtsangebote im Gartenbau an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Hochschule Geisenheim unbedingt erhalten bleiben. Eine bundesweite Anerkennung der Lehramtsabschlüsse müsse dabei gewährleistet werden. BHGL-Präsident, Prof. Dr. Uwe Schmidt, sagte zu, der BHGL werde diese Forderungen aufnehmen und sich in seiner Verbandsarbeit für deren Realisierung einsetzen.

BHGL-Forum: „Die Ausbildung von Lehrern für den Gartenbau in Deutschland“

Anlässlich des diesjährigen Forums des BHGL am 20. November 2014 in Erfurt will sich der Verband wieder mit einem sehr aktuellen und dringlichen Thema beschäftigen, das nicht nur für die Hochschulen und Universitäten eine Rolle spielt, sondern in den gesamten Berufsstand hineinwirkt.

Wie können wir den Nachwuchs an einer Stelle sichern, die eine Schlüsselfunktion in der Nachwuchsförderung einnimmt. Die Ausbildung von Fachpädagogen für den Dienst an Berufsschulen und ähnlichen Bildungseinrichtungen findet an Hochschulen und Universitäten statt, die seit Jahren mit begrenzten Ressourcen umgehen müssen. Welche Konzepte für die Lehrerbildung werden an der Universität und der Hochschule vorgehalten? Welche strategischen Ansätze gibt es, die Vermittlung der Grundlagen des Faches mit dem Erwerb von pädagogischen Kompetenzen zu verbinden.

Welche Anforderungen werden aus der Praxis an die Absolventen der Lehrerbildungsstudiengänge gerichtet und wie erfolgt die Rückkopplung der Berufspraxis zur Lehrerbildung an den Hochschulen. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft soll die Möglichkeit erhalten, einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung zu haben, unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter. Wie können wir diese gesellschaftlichen Anforderungen an das Bildungssystem in die Lehrerbildung einbetten?

Wir werden deshalb zu den genannten Themen mit hochkarätigen Referenten aus den Bereichen der Lehrerbildung, der Berufschullehrer und der Berufspraxis am 20.11.2014 an der Fachhochschule Erfurt unser diesjähriges Forum durchführen, zu dem wir alle am Thema interessierte herzlich einladen möchten.

Zeit: Donnerstag, 20. November 2014, 16.00 bis 18.00 Uhr

Ort: Fachhochschule Erfurt, Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst, Leipziger Str. 77, 99085 Erfurt, Raum 1.E01

FLL-Forschungsforum Landschaft

Am 20. und 21. Februar 2014 ist es wieder so weit, die FLL hält zum 4. Mal das das Forschungsforum Landschaft ab, diesmal an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Insgesamt sind 18 Kooperationspartner, darunter auch der BHGL, eingebunden.

Das Motto „Nachhaltigkeit von Grün“ steht im Vordergrund, namhafte Referenten werden aktuelle Informationen vortragen.

Das Forschungsforum Landschaft als Netzwerk für Forschung und Praxis (insbesondere für die Landschaftsarchitektur und den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau) wird alle zwei Jahre angeboten. Es bietet Gelegenheit, dass junge wie erfahrene Wissenschaftler mit ihresgleichen, aber auch gleichzeitig mit Praktikern und Fördermittelgebern zusammenkommen und sich austauschen können. Kontakte können geknüpft und wieder belebt werden, Projekte können diskutiert und verabredet werden. Das breite Themenangebot soll viele Interessierte zusammenbringen, oft erweist ein Blick über den Tellerrand sehr hilfreich.

Eine Posterausstellung ergänzt die Vielfalt der Themen in den Vorträgen, viele Angebote liegen uns bereits vor. Aber Interessierte können noch ihre Arbeiten/Themen durch Poster vorstellen, eine obere Grenze ist noch nicht festgelegt worden.

Auch bietet das Forschungsforum Landschaft Möglichkeiten für Werbepartner/Aussteller an, ihre Firmen oder Produkte vorzustellen. Bei vielen Veranstaltungen haben sich die Teilnehmer interessiert an zusätzlichen Informationen der Aussteller gezeigt, die Gespräche werden immer wieder von beiden Seiten sehr geschätzt.

Eine Abendveranstaltung im Bräustüberl bietet noch zusätzlichen Raum zum gegenseitigen Kennenlernen.

Messerundgang zum Berufseinstieg auf der IPM

Am Donnerstag, 30.01.2014, ab 11.00 Uhr bietet der BHGL wieder einen Messerundgang zum Berufseinstieg an.

Ausgewählte Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen des Gartenbaus geben dabei einen Überblick über ihre Anforderungen an junge Bewerber und berichten über aktuell vakante Stellen. Bisher haben ihre Teilnahme zugesagt: INDEGA e.V., Zentralverband Gartenbau (ZVG), Gartenbau-Versicherung VVaG, KÖTTERHEINRICH – Hortensien-Kulturen, TASPO und die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Der Messerundgang richtet sich vor allem an Studierende und junge Absolventen. Eine Teilnahme ist nur bei vorheriger verbindlicher Anmeldung bis spätestens zum 27.01.2014

Der BHGL auf der IPM

Bereits zum 32. Mal findet in der Zeit vom 28. bis 31. Januar 2014 die Internationale Pflanzenmesse IPM in Essen statt. Der BHGL wird dort wieder präsent sein.

Auch dieses Mal wird es eine gemeinsame Präsenz der in der Fachrichtung Gartenbau ausbildenden Hochschulen geben. Der Hochschulgemeinschaftsstand wird in der Green City (Halle 1A) umgeben von Institutionen und Verbänden der grünen Branche Anlaufpunkt für Studieninteressierte, Studierende und Ehemalige sein. Selbstverständlich bietet er auch ein Forum für Lehrende, Wissenschaftler und Forscher sowie Vertreter der Praxis. Die zehn vertretenen Hochschulen präsentieren ihre Studienangebote auf hochschuleigenen Werbematerialien und Postern. Die Bereitstellung von Online-Informationen zu den einzelnen Hochschulen wird auf der Messe ebenfalls möglich sein.Die Betreuung des Messestandes wird durch Vertreter der verschiedenen Hochschulstandorte sichergestellt, so dass jederzeit ein kompetenter Ansprechpartner für gezielte Fragen zur Verfügung stehen wird.

Am Donnerstag, 30.01.2014, ab 11.00 Uhr bietet der Bundesverband der Hochschulabsolventen / Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur (BHGL) wieder einen Messerundgang zum Berufseinstieg an. Ausgewählte Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen des Gartenbaus geben dabei einen Überblick über ihre Anforderungen an junge Bewerber und berichten über aktuell vakante Stellen. Bisher haben ihre Teilnahme zugesagt: INDEGA e.V., Zentralverband Gartenbau (ZVG), Gartenbau-Versicherung VVaG, KÖTTERHEINRICH – Hortensien-Kulturen, TASPO und die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Der Messerundgang richtet sich vor allem an Studierende und junge Absolventen. Eine Teilnahme ist nur bei vorheriger verbindlicher Anmeldung bis spätestens zum 27.01.2014 möglich. Ein Anmeldeformular und ausführliche Informationen stehen unter www.bhgl.de/Aktuelles bereit.

Im Anschluss an den Messerundgang lädt der BHGL gemeinsam mit dem Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. ab 18.00 Uhr alle BHGL-Mitglieder, Freunde und Interessierte sehr herzlich zu einem Empfang am Gemeinschaftsstand der Hochschulen in Halle 1A ein.

Was kommt nach dem Hochschulabschluss? Berufsbilder live an der Hochschule Osnabrück

Absolventinnen und Absolventen des Gartenbaus und der Landschaftsarchitektur stellen vielfältige Berufswege vor.

Trotz der späten Stunde ist der Raum HR001 an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur gut gefüllt. Kein Wunder – geht es für die Studierenden heute Abend doch um ihre Zukunft! Der Freundeskreis Gartenbau und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück hat gemeinsam mit dem Career Center Absolventinnen und Absolventen eingeladen und sie gebeten, über ihren Einstieg in das Berufsleben und ihre aktuellen Tätigkeiten zu berichten.

„Heute Abend haben Sie die Gelegenheit sechs Wege in den Beruf kennenzulernen und zu erfahren, wie es weitergehen kann, wenn Sie Ihren Abschluss in der Tasche haben“, so der Vorsitzende des Freundeskreises, Dipl. Ing. Engelbert Lehmacher.

Doch zuvor hat Dr. Marion Wulf, Leiterin der Akademischen Personalentwicklung der Hochschule Osnabrück, noch wertvolle Tipps zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg: „Suchen Sie sich Berater im Studium, wie zum Beispiel Lehrende, die Ihnen von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Nutzen Sie aber auch die Angebote unseres LearningCenters und unseres Career Centers. Bauen Sie sich bei Veranstaltungen wie dieser schon im Studium ein Netzwerk auf, denn gute Kontakte sind bei der Jobsuche nicht zu unterschätzen.“ Außerdem rät Wulf den Zuhörerinnen und Zuhörern, sich die eigenen Kompetenzen, aber auch die eigenen Schwächen bewusst zu machen. Denn nur so könne man einen Job finden, der zu einem passt.

Genau das ist Johannes Hügle gelungen. „Nach meinem Abschluss in der Landschaftsarchitektur wollte ich eigentlich ein bisschen abschalten und Urlaub machen, aber da kam schon das erste Stellenangebot“, berichtet Hügle. Heute ist er Büroleiter bei der Vogt Landschaftsarchitekten AG und arbeitete unter anderem an dem Freiraumkonzept des geplanten „Lohseparks“ in der HafenCity in Hamburg. Seine Zukunftspläne: Nach Zürich oder London zu gehen, denn dort hat seine Firma zwei weitere Standorte.
Der Abend zeigt allerdings auch, dass sich es sich manchmal lohnt, seinen eingeschlagenen Weg zu verlassen. Stefanie Jansen hat nach einer Ausbildung zur Mediengestalterin und einem Studium der Medieninformatik gemerkt, dass sie etwas anders viel mehr reizt: der Gartenbau. „Haben Sie den Mut einen Richtungswechsel vorzunehmen, wenn Sie nicht zufrieden sind“, meint Jansen, die ihren Schritt, ein zweites Studium aufzunehmen, nicht bereut hat. Heute ist die Absolventin des Produktionsgartenbaus als Laborleiterin bei der Hark Orchideen GmbH in Lippstadt tätig. Und diesen Job hätte sie mit einem geraden Lebenslauf vielleicht gar nicht bekommen. „Dort profitiere ich nicht nur von meinen Gartenbau-Kenntnissen, sondern sogar auch von meinem Informatik-Wissen.“

BHGL-Forum „Gartenbauwissenschaften zwischen Praxisanspruch und Impaktfaktor“

Am 20. November 2013 lud der BHGL in Berlin zum Forum mit dem Thema „Gartenbauwissenschaften zwischen Praxisanspruch und Impaktfakor“ ein.

Dabei wurden die aktuellen Schwierigkeiten der Gartenbauwissenschaften betrachtet, wie z.B. die Verzahnung der Gartenbauwissenschaften mit der Praxis und der wissenschaftlichen Arbeit. Die Referenten wurden gebeten, ausihrer Sicht die aktuelle Situation an den Universitäten und Fachhochschulen zu schildern.

Den Anfang machte Herr Hartmut Weimann, Vizepräsident des Zentralverbandes Gartenbau, der mehr Transparenz in der Forschung für die Umsetzung in die Praxis forderte. Des Weiteren ermutigte Herr Weimann alle Absolventen, dass diese einen großen Vorteil haben, denn sie könnten Querdenken und das theoretische Wissen mit der bodenständischen Praxis verknüpfen und umsetzen. Dadurch ergibt sich ein großer Vorteil, den sie nutzen sollten.

Herr Christopher Straeter, Forschungskoordinator WeGa, beschrieb seine Aufgabe darin, die Kompetenzen im Gartenbau zu bündeln und zu fokussieren. Auf der einen Seite wird gefordert, dass Forschung die Wirtschaft einbezieht wie z.B. durch Kooperationen. Jedoch fehlt es dabei an Differenzierung, in welchen Bereichen genau die Wirtschaft einbezogen werden muss.

Herr Prof. Andreas Ulbrich von der Hochschule Osnabrück belebt den Studiengang Produktionsgartenbau durch die Einbeziehung der angewandten Biologie. Dadurch wurde dieser für Studenten attraktiver und kann als Alternative zu einem Biologiestudium gesehen werden.

Ambivalent erlebt Frau Prof. Traud Winkelmann die Situation an der Leibniz Universität Hannover, denn gefühlt sitzt sie zwischen den zwei Stühlen angewandte Grundlagenforschung und Praxis. Desweitern sieht sie die Verteilung der Forschungsmittel kritisch, denn diese erfolgen nach dem Impaktfaktor in der jeweilig publizierten Zeitschrift. Zu diesen Schwierigkeiten kommen sinkende Studentenzahlen aber auch eine Verschlechterung der Qualität der Studierenden hinzu. Zum Beispiel liegen die Durchschnittsabiturnoten bei den Gartenbauwissenschaften bei 3 und geringer, bei den Biotechnologiestudiengängen mit fast identischen Lehrinhalten liegt diese bei der Note 2.

Frau Prof. Brigitte Poppenberger von der TU München – Weihenstephan, kann bei der Vergabe der Forschungsgelder „mitspielen“, denn sie weiß die wissenschaftlichen Methoden der Biologen zu nutzen, wodurch höhere Impaktfaktoren erzielt werden können und damit mehr Forschungsgelder zur Verfügung stehen. Sie fordert, dass der Gartenbau methodisch im 21. Jahrhundert ankommt. Jedoch gibt sie zu bedenken, dass es schwierig ist in 4 Semestern Masterstudium den Studierenden die breitgefächerten wissenschaftlichen Methoden beizubringen.

Herr Prof. Christian Ulrichs, Präsident der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft sowie von der Humboldt-Universität zu Berlin, sieht eher ein Selbstbewusstseinsproblem bei den Gartenbauwissenschaften. Er ist der Meinung, der Gartenbau sollte seine eigene Identität finden und nicht den Biologen nacheifern. Die Gartenbauwissenschaften müssten sich mitHilfe aktueller Themengebiete und moderner Technologien neu erfinden, um „mitzuspielen“ und etwas zu bewegen.

Der Präsident des BHGL, Herr Prof. Uwe Schmidt, verdeutlichte, dass die Gartenbauwissenschaften als systemisch orientiertes Wissenschaftsgebiet mit problemlösungsorientierten Ansätzen integraler Bestandteil der universitären Agrarforschung an mehr als nur einem Standort in Deutschland bleiben muss.

Das diesjährige Forum zeigte deutlich, dass es nicht nur Probleme in der Verzahnung der Forschung mit der Praxis gibt, sondern auch die Finanzierung von Forschungsprojekten sehr problematisch von statten geht. Themen der angewandten Wissenschaften werden nur in Zeitschriften mit niedrigen Impaktfaktoren publiziert und erhalten somit deutlich weniger Forschungsgelder als Projekte der Grundlagenforschung. Dies kann nur durch den Einsatz von modernen wissenschaftlichen Methoden und der Einwerbung von Forschungsgeldern durch Publikationen in Zeitschriften mit höheren Impaktfaktoren abgefangen werden. Oft fehlt auch die Langlebigkeit der Projekte, da Folgeaufträge nicht finanziert werden können und nach 3 Jahren die Förderung ausläuft. So müssen die Gartenbauwissenschaften oft bei null anfangen. Die Folge davon ist, dass für die Praxis Fragestellungen nur befriedigend bearbeitet werden können. Auch die Frage nach der Neubesetzung von Professorenstellen durch andere Disziplinen sehen einige Referenten positiv, denn nur durch Vernetzung können große Ideen entstehen. Dabei sei es wichtig, die Grundlagen der Gartenbauwissenschaften zu schützen, sich neu zu erfinden und mit aktuellen Themen zu identifizieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass oftmals die Praxis nicht weiß was die Wissenschaft macht und umgekehrt. Hier müssen weiter Brücken gebaut und sichtbargemacht werden. Das wichtigste für die Zukunft der Gartenbauwissenschaften ist die Kommunikation zwischen Universitäten und Fachhochschulen sowie Praxis und Forschung zum Beispiel in gemeinschaftlichen Netzwerken oder Einrichtungen. Auch die Neubewertung der Forschungsfinanzierungsmethoden und die Neudefinition des Studiengangs mit dem Erhalten ihrer Identität sollte ein grundlegendes Ziel für die Zukunft darstellen.

Studie zum Fach- und Führungskräftebedarf im Agrarbereich und im Gartenbau

Der VDL Bundesverband – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. startet eine Studie zum Fachkräftebedarf in der Agrarbranche und bittet die Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände um ihre Teilnahme an der Befragung. Der BHGL unterstützt die Studie.

Engpässe bei der Rekrutierung von Personal für qualifizierte Unternehmenspositionen wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen aus. Bereits 2011 wurde der volkswirtschaftliche Verlust aufgrund von Fachkräftemangel auf etwa 29,4 Mrd. Euro geschätzt (Ernst & Young, Mittelstandsbarometer). Auch in der Agrar- und Ernährungsbranche mit 385 Mrd. Euro Umsatz und 1,3 Mio. Beschäftigten können Personalengpässe ein deutliches Entwicklungshemmnis sein.

Durch eine Befragung der Unternehmen sollen Erkenntnisse über dem Umfang und die erforderliche Qualifikation von Fach- und Führungskräften im Bereich Agrar/ Ernährung/ Gartenbau gewonnen werden. Ziel der Studie ist es, den Bedarf an Fach- und Führungskräften einzuschätzen und die Anforderungen der Unternehmen an die Qualifikation von Fachschul- und Hochschulabsolventen zu erfassen. Die Studie soll Unternehmen und Bildungseinrichtungen Informationen zur Personalqualifizierung und Personalentwicklung liefern. Im Auftrag des VDL – Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt wird die Studie vom Institut für Agribusiness in Gießen mit finanzieller Unterstützung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank durchgeführt.

„Qualifizierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg jedes Unternehmens. Ein Mangel an Fach- und Führungskräften beeinträchtigt die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit maßgeblich und wirkt sich somit negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Die zu erstellende Studie soll die Grundlage für Antworten auf diese Zukunftsfragen liefern“, so Markus W. Ebel-Waldmann, Präsident des VDL Bundesverbandes e.V.

Prof. Dr. P. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agribusiness, sieht erste Engpässe zwischen dem Angebot an Fachkräften nach Zahl und Qualifikation und der Nachfrage durch Unternehmen. Daher ist nach seiner Auffassung „für die Bildungseinrichtungen und die Studierenden die Kenntnis über die Anforderungen von Unternehmen an die Qualifikation ihrer Mitarbeiter wesentlich für eine zielgerichtete Studienplanung.“

Der VDL und das Institut für Agribusiness bitten daher die Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche, sich bis spätestens zum 15. Juli 2013 an der Befragung zu beteiligen. Der internetbasierte Fragebogen umfasst 20 Fragen und ist in 15 Minuten zu beantworten. Über diesen Link öffnet sich der Fragebogen: www.agribusiness.de/fragebogen
Unter der gleichen Fragestellung erhalten in Kürze die Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände in den Bereichen Agrar/Ernährung/Gartenbau einen Fragebogen postalisch zugeschickt. Auch hier wird um die Teilnahme an der Beantwortung gebeten.

Die Fertigstellung und Veröffentlichung der Studie ist für März 2014 vorgesehen.

Frauen im Gartenbau schlechter gestellt

An der von Prof. Georg Ohmayer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) durchgeführten Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2012/2013 nahmen drei Universitäten und sechs (Fach-)Hochschulen teil. Insgesamt wurden 2.568 Absolventen eingeladen, den an ihr Studium angepassten Fragebogen auszufüllen. Geantwortet haben etwa 600 Absolventen, die 2008 oder später ihren Abschluss erworben haben. Es wurden Fragen rückblickend zum Studium gestellt, als auch Fragen zum Berufseinstieg und der Entwicklung im Beruf.

Die Bachelorstudenten studieren im Mittel an den Universitäten 40 Monate und an den Hochschulen 41 Monate. Die Masterstudenten haben eine mittlere Studiendauer von 26 Monaten.

Bei der Wahl des Studienortes stand vor allem für die Bachelor- und Diplomabsolventen die Wohnortnähe im Vordergrund (Bachelor 68% / Diplom 56%). Damit hat diese Priorität gegenüber 2007 nochmals zugenommen.

Die Masterabsolventen fanden hingegen ein interessantes Studienangebot und angenehme Studienbedingungen wesentlich wichtiger.

Bei den Praxiszeiten vor und während des Studiums für Bachelor- und Diplomabsolventen fand im Vergleich zu der Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2007 ein erwartungsgemäßer Rückgang stand, das ist alleine auf den Wegfall von Praxissemestern an Hochschulen zurückzuführen. Dies steht in einem deutlichen Kontrast zu den geforderten mehr Praxisanteilen im Studium seitens der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zudem fordern die Absolventen eine bessere Schilderung der beruflichen Weiterentwicklung.

Knapp die Hälfte aller Absolventen gibt an, nicht nur während der Semesterferien und an den Wochenenden zu jobben, sondern auch in der Vorlesungszeit. Dies ist vor allem auch der Grund, warum sich die Quote der Absolventen, deren Studium sich verlängert, zugenommen hat. Auffällig ist, dass sich das Problem vom Diplom zum Bachelor zugenommen hat, beim Master jedoch eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Zufriedenheit mit dem Studium nach dem Abschluss ist bei den Absolventen gewachsen. Der größte Teil der Studenten (77%) würden wieder Gartenbau studieren, 64% davon am selben Standort.

Die Absolventen schätzen mehrheitlich den Ruf der eigenen Hochschule als gut oder sehr gut ein. Damit ist die „(sehr) gut“-Zustimmungsquote im Vergleich zu 2007 um 7-Prozentpunkte auf 77% gestiegen.

Der Übergang vom Studium zum Beruf verlief meistens problemlos. So bewarb sich der Bachelorabsolvent auf 11,3 Stellen, der Diplomabsolvent hingegen nur auf 8,9 Stellen. Der Masterabsolvent schrieb indessen etwa 14,4 Bewerbungen, was auf die Spezialisierung der Absolventen zurückzuführen ist.

Wie in allen Branchen gibt es auch bei den Absolventen im Gartenbau signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Nahezu 86% der befragten Absolventen waren zum Zeitpunkt der Befragung berufstätig. Bei einer Geschlechtsdifferenzierung zeigte sich, dass 91% der Männer und 81% der Frauen berufstätig waren. Dies zeigt eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zur Absolventenbefragung 2007. Zum damaligen Zeitpunkt waren 93% der Männer und 91% der Frauen berufstätig. Ob dies eine entgegengesetzte Entwicklung zum allgemein herrschenden Trend, der Berufstätigkeit der Frau, ist oder nur Zufall, lässt sich schwer nachvollziehen.

Nach Abbildung 1 gaben insgesamt 48% der Absolventen an, Vorgesetzter zu sein. Jedoch spaltet sich dies wie folgt auf: 63% Männer und 35% Frauen hatten eine Position als Vorgesetzter.

Dieser große Geschlechtsunterschied zeigte sich auch in der Vollbeschäftigung. Insgesamt sind 81% der Absolventen vollbeschäftigt, eine Differenzierung nach dem Geschlecht zeigt, dass nur 70% der Frauen vollbeschäftigt sind, bei den Männern sind es hingegen 91%. Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Vollbeschäftigten beträgt 48,7 h/Woche.

BHGL-Forum: Persönlicher Austausch bei Wissens- und Technologietransfer wichtig

Am 15. November 2012 lud der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) nach Hannover ein. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie verhindert werden kann, dass nach Abschluss von Forschungsprojekten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und neuen Technologieansätze zwar sorgsam in Publikationen und Berichten veröffentlicht werden, anschließend jedoch oft in der berühmten Schublade landen.

Diese wird heute auch gern mit dem „Tal des Todes“ umschrieben, in welches Innovationen abstürzen, die den Sprung vom Ufer der Forschung und Entwicklung zum Ufer der Praxis nicht schaffen.

Prof. Wolfgang Bokelmann von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte die Sektorstudie zur Untersuchung des Innovationssystems der deutschen Landwirtschaft vor. Er forderte, dass Netzwerkmanagement zu professionalisieren und hierfür entsprechende Mittel bereitzustellen. Der gesamte Innovationsprozess kann u.a. dadurch gestärkt werden, dass die Politik zunehmend Impulse für nachhaltige Innovationen setzt, die Verbrauchererwartungen konsequenter im Innovationsprozess berücksichtigt werden sowie Kontinuität in der Forschung und Entwicklung hinsichtlich Personal und Ressourcen gewährleistet wird. Harald Braungardt von der STEP Systems GmbH sieht vor allem die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, die von der Praxis gelesen werden, und in gemeinsamen Marketingaktivitäten als die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperationen. Nach Christopher Straeter wird innovationsfördernde Forschung im WEGA – Kompetenznetz Gartenbau in erster Linie durch die Bereitstellung einer offenen Netzwerkstruktur und der Fokussierung auf zeitlich befristete thematische Schwerpunkte initiiert. Im Rahmen des WEGA Verbundes kooperieren beispielsweise Obstbauern, Obsthändler mit der Hochschule Osnabrück und mit der Baumschule CAROLUS in Belgien, um gemeinsam eine leistungsfähige, angepasste und erfolgreiche Apfelsorte für Nordeuropa zu züchten. Die Apfelsortenzüchtung wird bislang kaum noch von staatlichen Einrichtungen betrieben. Neue Sorten wurden in der jüngsten Vergangenheit von privat betriebenen Einrichtungen herausgegeben. Dadurch müssen sich die Obstbauern und Händler den Lizenzverträgen fremder Sorteninhaber unterwerfen, erörterte Prof. Werner Dierend von der Hochschule Osnabrück die Beweggründe für den Züchtungsverbund.

Ein weiteres Verbundvorhaben ist die ZukunftsInitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG). Ziel dieses Verbundes ist es, für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern den Verbrauch fossiler Energie für die Heizung und damit die (fossilen) CO2-Emissionen möglichst auf Null zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein systemorientierter Ansatz durch Kombination technischer und kulturtechnischer Maßnahmen erforderlich. Die größte Herausforderung im ZINEG-Verbund ist der tägliche Kampf um den Erfolg der Teilprojekte, so BHGL-Präsident und Projektbeteiligter Prof. Uwe Schmidt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse der Untersuchungen werden durch Präsentationen vor Ort, Messen und Ausstellungen sowie Vorträge vor dem Berufsstand an die gärtnerische Praxis weitergegeben. Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück berichtete aus der Landespflege von dem Projekt „Grüne Doppik“. Ziel war die Entwicklung eines fachlich anerkannten Werkzeugs zur realistischen Bewertung von öffentlichen Grün- und Freiflächen.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle Referenten einig, dass künftig nicht nur Innovationen gefördert werden sollten, sondern auch Methoden zur Schulung für den Transfer. Die Beratung ist ein wichtiger Multiplikator, der sehr effizient arbeitet und dringend für den Wissens- und Technologietransfer gebraucht wird. Als besonders wichtig wird der persönliche Austausch von Wissenschaft und Praxis angesehen.