Hochschultagung: Zwischen Akkreditierung und Wildwuchs

Der hochschulpolitische Föderalismus beschert mit über 300 Studiengängen im Agrarbereich eine große Vielfalt, die aber oft zu Lasten von Transparenz und Vergleichbarkeit geht. VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann sprach gar von „Wildwuchs“ und BDA-Expertin Dr. Isabel Rohner von einem Feld „voller Missverständnisse”.

Auf der Berliner Hochschultagung „Agrarwissenschaftliches Studium im Praxis-Check“, die von Deutschen Bauernverband e.V. (DBV), VDL-Bundesverband e.V.,  Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL), Bundesverband, Landwirtschaftlicher Fachbildung e.V. (vlf) und Verband der Landwirtschaftskammern e.V. (VLK) gemeinsam  veranstaltet wurde, beleuchteten am 28./29. Oktober zahlreiche Referenten die aktuelle Entwicklung an den Agrar-Hochschulen.

Bolognareform mit Korrekturbedarf
Bei der von 47 europäischen Staaten getragenen Bolognareform gibt es noch viel zu korrigieren. Obwohl die neuen Studienabschlüsse mittlerweile am Beschäftigungsmarkt „angekommen“ sind, stehen bei den Zielen Mobilität, praxisnahe Umsetzung und Bedarfsorientierung noch dicke Fragezeichen. Kritiker fordern mehr berufsgleitende Maßnahmen beim Studium, einen verlässlicheren Finanzierungsrahmen sowie eine bessere Abstimmung mit Agrarverwaltung und Agrarwissenschaften.
Ein übereinstimmendes Ergebnis der Berliner Diskussionsrunde: Wirtschaft und Hochschulen müssen sich besser verzahnen, der Auf- und Ausbau entsprechender Informations- und Organisationsnetzwerke wurde angemahnt.

Berufliche Praxis verankern

Um die berufliche Praxis effektiver in das agrarwissenschaftliche Studium zu integrieren, bieten vereinzelte Hochschulen spezielle Studienmodelle und Studiengänge an. So stellte Laura Weidemann als Studienkoordinatorin & Diversity Beauftragte der Universität Gießen das Profilmodul „Berufsfeldpraktikum“ vor. Zurzeit nutzen rund 15 Prozent der insgesamt 3.500 Studierenden der Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement diese freiwillige Option. Immerhin 2.200 Praktikumstellen sind per Datenbank erfasst.
Das Duale Bachelorstudium „Agrarmanagement“ – je 50 % Praxis und Theorie – hat die Berufsakademie Dresden für z. Zt. 33 Immatrikulierte im Studienprogramm. Nach Aussage von Prof. Dr. Joachim Rühl zeigt die Wirtschaft eine hohe Akzeptanz.
Neuland hat mit dem Dualen Bachelorstudiengang „Agrarwirtschaft“ auch die Hochschule Neubrandenburg betreten. Für diesen Studiengang haben sich im Wintersemester 2013/2014 bisher 17 Interessenten beworben, die auch aus den umliegenden Bundesländern stammen. „Der Koordinierungsaufwand im Zusammenspiel von Praxis und Hochschule ist groß“, verrät Anna Fieth, die sich für die Gesamtabwicklung verantwortlich zeichnet.
„Qualität bringt uns nach vorne“, ist Prof. Dr. Marc Dreßler überzeugt, der 50 Bachelor-Studierende im Dualen Studiengang Weinbau und Oenologie der Fachhochschule Ludwigshafen/Neustadt gemeinsam mit drei weiteren Professoren betreut. Das Besondere: Die berufliche Ausbildung ist dem Studium vorgeschaltet, dabei stammt nur jeder vierte Studierende direkt aus der Weinbaubranche. Die duale Ausbildung zeichnet sich durch überschaubare Studiengruppen und eine hohe Bebreuungsintensität aus. „Wir treffen hier die Motivierten und Engagierten“, so Prof Dreßler.

Akkreditierung – aufwändig, aber lohnend
Die Akkreditierung von agrarwissenschaftlichen Studiengängen ist ein mühsamer und sehr aufwändiger Prozess. Prof. Dr. Uwe Schmidt konnte darauf verweisen, dass die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin schon 2000 als erste das zweistufige Bologna-Modell (Bachelor/Master) umgesetzt und letztlich gute Erfahrungen damit gemacht hat: „Die Qualität des Lehrangebots wird geprüft und nachhaltig verbessert“, argumentiert der Hochschullehrer.
Eine Akkreditierung von Studienprogrammen und –systemen verfolge neben der Qualitätssicherung die grundsätzlichen Ziele der nationalen bzw. internationalen Vergleichbarkeit, eine verbesserte Transparenz und mehr Mitsprachemöglichkeiten der Hochschulen.
Ein Akkreditierungsverfahren dauert laut Prof. Schmidt durchschnittlich ¾ Jahr und verursacht 30.000 Euro Kosten. 11 Agenturen haben sich im deutschsprachigen Raum auf die Akkreditierung spezialisiert, davon zwei für den Agrarbereich.
Den Deutschen Qualifizierungsrahmen (DQR) mit Konsequenzen für die Hochschulen analysierte Prof. Dr. Harald Grygo von der Hochschule Osnabrück.

Lehrkräfte bald „Mangelware“?
Die unterschiedliche Qualifizierung von Lehrern in der Agrarwirtschaft wurde von Dr. Marcel Robischon (Humboldt-Universität) sowie von Andreas Reusch bzw. Anke Emich (Universität Bonn) vorgestellt.
Auf eklatante zu erwartende Defizite bei der Stellenbesetzung von fachkompetenten Lehrkräften machte Dr. Peter Epkenhans (Landwirtschaftskammer NRW, Borken) aufmerksam: In den nächsten Jahren würden altersbedingt viele Fachlehrer ausscheiden, ohne dass berechtigte Aussicht besteht, diese Lücken zu schließen.

Erklärung des BHGL zu latenten Einschnitten in die Gartenbauwissenschaften an deutschen Universitäten

Die Gartenbauwissenschaften als integraler Bestandteil der Agrarwissenschaften werden sich in Zukunft mit der Frage der Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel und gärtnerischer Produkte auf einem immer begrenzteren Areal unter Restriktion der Verknappung der Ressourcen beschäftigen müssen. Forschung zu Chancen und Möglichkeiten einer gesunden Ernährung und des Erhalts unserer natürlichen Umwelt sind Kernaufgaben dieses Jahrhunderts. Diese betreffen nicht nur die gärtnerische Produktion, die sich durch Klimawandel und Energiewende völlig neuen Herausforderungen zu stellen hat, sondern geht über den Dienstleistungssektor bis zur Landespflege.

Mit großer Sorge beobachtet der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) deshalb die Entwicklung der universitären Fakultäten und Fachbereiche, an denen gartenbauwissenschaftliche Lehre und Forschung stattfindet. An allen drei Standorten in Berlin, Hannover und München-Weihenstephan, an denen gartenbauwissenschaftliche Studiengänge angeboten werden, finden strukturelle bzw. kapazitive Veränderungen statt, welche die ohnehin schon knappe Ausstattung an Fachgebieten und Arbeitsgruppen unter eine kritische Masse fallen lassen. Diese schleichende Entwicklung gefährdet die Ausbildung von wissenschaftlichem Fachkräften und mindert die Chancen auf zukunftsweisende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.

Bereits jetzt besteht Mangel an qualifiziertem wissenschaftlichem Nachwuchs, um nicht nur Stellen an den Universitäten selbst, sondern an anderen Hochschulen zu besetzen. Die Situation hat sich in der Weise dramatisch verschärft, dass es nicht mehr vorrangig um die Schließung von Fachbereichen oder Fakultäten geht, sondern die Gefahr einer Austrocknung der Fachgebiete in den Instituten droht, die inzwischen in naturwissenschaftlich ausgerichtete Fakultäten und Fachbereiche eingeordnet wurden oder eingeordnet werden sollen. Die universitären Gartenbauwissenschaften leben wie jedes andere Wissenschaftsgebiet von personeller Erneuerung und Neuausrichtung auf die Themen des 21. Jahrhunderts. Dies erfordert Fachgebiete wieder zu besetzen bzw. neu zu etablieren, die für die Sicherung der gesunden Ernährung einer immer größer werdenden Menschheit sowie für den Schutz der natürlichen Ressourcen forschen.

Es müssen weiterhin Fachkräfte ausgebildet werden, die an Hochschulen und Forschungsinstituten die Nachhaltigkeit der Gartenbauwissenschaften sichern oder Führungsaufgaben in der Wirtschaft übernehmen können. Die Gartenbauwissenschaften als systemisch orientiertes Wissenschaftsgebiet mit problemlösungsorientierten Ansätzen muss integraler Bestandteil der universitären Agrarforschung an mehr als nur einem Standort in Deutschland bleiben. Die Universitäten und Hochschulen aber auch der Berufsstand sind aufgerufen, für die Bedeutung und Notwendigkeit einer umfassenden gartenbauwissenschaftlichen Lehre und Forschung an den Universitäten einzutreten.

Studie zum Fach- und Führungskräftebedarf im Agrarbereich und im Gartenbau

Der VDL Bundesverband – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. startet eine Studie zum Fachkräftebedarf in der Agrarbranche und bittet die Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände um ihre Teilnahme an der Befragung. Der BHGL unterstützt die Studie.

Engpässe bei der Rekrutierung von Personal für qualifizierte Unternehmenspositionen wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen aus. Bereits 2011 wurde der volkswirtschaftliche Verlust aufgrund von Fachkräftemangel auf etwa 29,4 Mrd. Euro geschätzt (Ernst & Young, Mittelstandsbarometer). Auch in der Agrar- und Ernährungsbranche mit 385 Mrd. Euro Umsatz und 1,3 Mio. Beschäftigten können Personalengpässe ein deutliches Entwicklungshemmnis sein.

Durch eine Befragung der Unternehmen sollen Erkenntnisse über dem Umfang und die erforderliche Qualifikation von Fach- und Führungskräften im Bereich Agrar/ Ernährung/ Gartenbau gewonnen werden. Ziel der Studie ist es, den Bedarf an Fach- und Führungskräften einzuschätzen und die Anforderungen der Unternehmen an die Qualifikation von Fachschul- und Hochschulabsolventen zu erfassen. Die Studie soll Unternehmen und Bildungseinrichtungen Informationen zur Personalqualifizierung und Personalentwicklung liefern. Im Auftrag des VDL – Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt wird die Studie vom Institut für Agribusiness in Gießen mit finanzieller Unterstützung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank durchgeführt.

„Qualifizierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg jedes Unternehmens. Ein Mangel an Fach- und Führungskräften beeinträchtigt die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit maßgeblich und wirkt sich somit negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Die zu erstellende Studie soll die Grundlage für Antworten auf diese Zukunftsfragen liefern“, so Markus W. Ebel-Waldmann, Präsident des VDL Bundesverbandes e.V.

Prof. Dr. P. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agribusiness, sieht erste Engpässe zwischen dem Angebot an Fachkräften nach Zahl und Qualifikation und der Nachfrage durch Unternehmen. Daher ist nach seiner Auffassung „für die Bildungseinrichtungen und die Studierenden die Kenntnis über die Anforderungen von Unternehmen an die Qualifikation ihrer Mitarbeiter wesentlich für eine zielgerichtete Studienplanung.“

Der VDL und das Institut für Agribusiness bitten daher die Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche, sich bis spätestens zum 15. Juli 2013 an der Befragung zu beteiligen. Der internetbasierte Fragebogen umfasst 20 Fragen und ist in 15 Minuten zu beantworten. Über diesen Link öffnet sich der Fragebogen: www.agribusiness.de/fragebogen
Unter der gleichen Fragestellung erhalten in Kürze die Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände in den Bereichen Agrar/Ernährung/Gartenbau einen Fragebogen postalisch zugeschickt. Auch hier wird um die Teilnahme an der Beantwortung gebeten.

Die Fertigstellung und Veröffentlichung der Studie ist für März 2014 vorgesehen.

Frauen im Gartenbau schlechter gestellt

An der von Prof. Georg Ohmayer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) durchgeführten Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2012/2013 nahmen drei Universitäten und sechs (Fach-)Hochschulen teil. Insgesamt wurden 2.568 Absolventen eingeladen, den an ihr Studium angepassten Fragebogen auszufüllen. Geantwortet haben etwa 600 Absolventen, die 2008 oder später ihren Abschluss erworben haben. Es wurden Fragen rückblickend zum Studium gestellt, als auch Fragen zum Berufseinstieg und der Entwicklung im Beruf.

Die Bachelorstudenten studieren im Mittel an den Universitäten 40 Monate und an den Hochschulen 41 Monate. Die Masterstudenten haben eine mittlere Studiendauer von 26 Monaten.

Bei der Wahl des Studienortes stand vor allem für die Bachelor- und Diplomabsolventen die Wohnortnähe im Vordergrund (Bachelor 68% / Diplom 56%). Damit hat diese Priorität gegenüber 2007 nochmals zugenommen.

Die Masterabsolventen fanden hingegen ein interessantes Studienangebot und angenehme Studienbedingungen wesentlich wichtiger.

Bei den Praxiszeiten vor und während des Studiums für Bachelor- und Diplomabsolventen fand im Vergleich zu der Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2007 ein erwartungsgemäßer Rückgang stand, das ist alleine auf den Wegfall von Praxissemestern an Hochschulen zurückzuführen. Dies steht in einem deutlichen Kontrast zu den geforderten mehr Praxisanteilen im Studium seitens der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zudem fordern die Absolventen eine bessere Schilderung der beruflichen Weiterentwicklung.

Knapp die Hälfte aller Absolventen gibt an, nicht nur während der Semesterferien und an den Wochenenden zu jobben, sondern auch in der Vorlesungszeit. Dies ist vor allem auch der Grund, warum sich die Quote der Absolventen, deren Studium sich verlängert, zugenommen hat. Auffällig ist, dass sich das Problem vom Diplom zum Bachelor zugenommen hat, beim Master jedoch eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Zufriedenheit mit dem Studium nach dem Abschluss ist bei den Absolventen gewachsen. Der größte Teil der Studenten (77%) würden wieder Gartenbau studieren, 64% davon am selben Standort.

Die Absolventen schätzen mehrheitlich den Ruf der eigenen Hochschule als gut oder sehr gut ein. Damit ist die „(sehr) gut“-Zustimmungsquote im Vergleich zu 2007 um 7-Prozentpunkte auf 77% gestiegen.

Der Übergang vom Studium zum Beruf verlief meistens problemlos. So bewarb sich der Bachelorabsolvent auf 11,3 Stellen, der Diplomabsolvent hingegen nur auf 8,9 Stellen. Der Masterabsolvent schrieb indessen etwa 14,4 Bewerbungen, was auf die Spezialisierung der Absolventen zurückzuführen ist.

Wie in allen Branchen gibt es auch bei den Absolventen im Gartenbau signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Nahezu 86% der befragten Absolventen waren zum Zeitpunkt der Befragung berufstätig. Bei einer Geschlechtsdifferenzierung zeigte sich, dass 91% der Männer und 81% der Frauen berufstätig waren. Dies zeigt eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zur Absolventenbefragung 2007. Zum damaligen Zeitpunkt waren 93% der Männer und 91% der Frauen berufstätig. Ob dies eine entgegengesetzte Entwicklung zum allgemein herrschenden Trend, der Berufstätigkeit der Frau, ist oder nur Zufall, lässt sich schwer nachvollziehen.

Nach Abbildung 1 gaben insgesamt 48% der Absolventen an, Vorgesetzter zu sein. Jedoch spaltet sich dies wie folgt auf: 63% Männer und 35% Frauen hatten eine Position als Vorgesetzter.

Dieser große Geschlechtsunterschied zeigte sich auch in der Vollbeschäftigung. Insgesamt sind 81% der Absolventen vollbeschäftigt, eine Differenzierung nach dem Geschlecht zeigt, dass nur 70% der Frauen vollbeschäftigt sind, bei den Männern sind es hingegen 91%. Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Vollbeschäftigten beträgt 48,7 h/Woche.

BHGL-Forum: Persönlicher Austausch bei Wissens- und Technologietransfer wichtig

Am 15. November 2012 lud der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) nach Hannover ein. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie verhindert werden kann, dass nach Abschluss von Forschungsprojekten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und neuen Technologieansätze zwar sorgsam in Publikationen und Berichten veröffentlicht werden, anschließend jedoch oft in der berühmten Schublade landen.

Diese wird heute auch gern mit dem „Tal des Todes“ umschrieben, in welches Innovationen abstürzen, die den Sprung vom Ufer der Forschung und Entwicklung zum Ufer der Praxis nicht schaffen.

Prof. Wolfgang Bokelmann von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte die Sektorstudie zur Untersuchung des Innovationssystems der deutschen Landwirtschaft vor. Er forderte, dass Netzwerkmanagement zu professionalisieren und hierfür entsprechende Mittel bereitzustellen. Der gesamte Innovationsprozess kann u.a. dadurch gestärkt werden, dass die Politik zunehmend Impulse für nachhaltige Innovationen setzt, die Verbrauchererwartungen konsequenter im Innovationsprozess berücksichtigt werden sowie Kontinuität in der Forschung und Entwicklung hinsichtlich Personal und Ressourcen gewährleistet wird. Harald Braungardt von der STEP Systems GmbH sieht vor allem die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, die von der Praxis gelesen werden, und in gemeinsamen Marketingaktivitäten als die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperationen. Nach Christopher Straeter wird innovationsfördernde Forschung im WEGA – Kompetenznetz Gartenbau in erster Linie durch die Bereitstellung einer offenen Netzwerkstruktur und der Fokussierung auf zeitlich befristete thematische Schwerpunkte initiiert. Im Rahmen des WEGA Verbundes kooperieren beispielsweise Obstbauern, Obsthändler mit der Hochschule Osnabrück und mit der Baumschule CAROLUS in Belgien, um gemeinsam eine leistungsfähige, angepasste und erfolgreiche Apfelsorte für Nordeuropa zu züchten. Die Apfelsortenzüchtung wird bislang kaum noch von staatlichen Einrichtungen betrieben. Neue Sorten wurden in der jüngsten Vergangenheit von privat betriebenen Einrichtungen herausgegeben. Dadurch müssen sich die Obstbauern und Händler den Lizenzverträgen fremder Sorteninhaber unterwerfen, erörterte Prof. Werner Dierend von der Hochschule Osnabrück die Beweggründe für den Züchtungsverbund.

Ein weiteres Verbundvorhaben ist die ZukunftsInitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG). Ziel dieses Verbundes ist es, für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern den Verbrauch fossiler Energie für die Heizung und damit die (fossilen) CO2-Emissionen möglichst auf Null zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein systemorientierter Ansatz durch Kombination technischer und kulturtechnischer Maßnahmen erforderlich. Die größte Herausforderung im ZINEG-Verbund ist der tägliche Kampf um den Erfolg der Teilprojekte, so BHGL-Präsident und Projektbeteiligter Prof. Uwe Schmidt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse der Untersuchungen werden durch Präsentationen vor Ort, Messen und Ausstellungen sowie Vorträge vor dem Berufsstand an die gärtnerische Praxis weitergegeben. Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück berichtete aus der Landespflege von dem Projekt „Grüne Doppik“. Ziel war die Entwicklung eines fachlich anerkannten Werkzeugs zur realistischen Bewertung von öffentlichen Grün- und Freiflächen.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle Referenten einig, dass künftig nicht nur Innovationen gefördert werden sollten, sondern auch Methoden zur Schulung für den Transfer. Die Beratung ist ein wichtiger Multiplikator, der sehr effizient arbeitet und dringend für den Wissens- und Technologietransfer gebraucht wird. Als besonders wichtig wird der persönliche Austausch von Wissenschaft und Praxis angesehen.