Studie zum Fach- und Führungskräftebedarf im Agrarbereich und im Gartenbau

Der VDL Bundesverband – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. startet eine Studie zum Fachkräftebedarf in der Agrarbranche und bittet die Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände um ihre Teilnahme an der Befragung. Der BHGL unterstützt die Studie.

Engpässe bei der Rekrutierung von Personal für qualifizierte Unternehmenspositionen wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen aus. Bereits 2011 wurde der volkswirtschaftliche Verlust aufgrund von Fachkräftemangel auf etwa 29,4 Mrd. Euro geschätzt (Ernst & Young, Mittelstandsbarometer). Auch in der Agrar- und Ernährungsbranche mit 385 Mrd. Euro Umsatz und 1,3 Mio. Beschäftigten können Personalengpässe ein deutliches Entwicklungshemmnis sein.

Durch eine Befragung der Unternehmen sollen Erkenntnisse über dem Umfang und die erforderliche Qualifikation von Fach- und Führungskräften im Bereich Agrar/ Ernährung/ Gartenbau gewonnen werden. Ziel der Studie ist es, den Bedarf an Fach- und Führungskräften einzuschätzen und die Anforderungen der Unternehmen an die Qualifikation von Fachschul- und Hochschulabsolventen zu erfassen. Die Studie soll Unternehmen und Bildungseinrichtungen Informationen zur Personalqualifizierung und Personalentwicklung liefern. Im Auftrag des VDL – Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt wird die Studie vom Institut für Agribusiness in Gießen mit finanzieller Unterstützung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank durchgeführt.

„Qualifizierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg jedes Unternehmens. Ein Mangel an Fach- und Führungskräften beeinträchtigt die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit maßgeblich und wirkt sich somit negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Die zu erstellende Studie soll die Grundlage für Antworten auf diese Zukunftsfragen liefern“, so Markus W. Ebel-Waldmann, Präsident des VDL Bundesverbandes e.V.

Prof. Dr. P. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agribusiness, sieht erste Engpässe zwischen dem Angebot an Fachkräften nach Zahl und Qualifikation und der Nachfrage durch Unternehmen. Daher ist nach seiner Auffassung „für die Bildungseinrichtungen und die Studierenden die Kenntnis über die Anforderungen von Unternehmen an die Qualifikation ihrer Mitarbeiter wesentlich für eine zielgerichtete Studienplanung.“

Der VDL und das Institut für Agribusiness bitten daher die Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche, sich bis spätestens zum 15. Juli 2013 an der Befragung zu beteiligen. Der internetbasierte Fragebogen umfasst 20 Fragen und ist in 15 Minuten zu beantworten. Über diesen Link öffnet sich der Fragebogen: www.agribusiness.de/fragebogen
Unter der gleichen Fragestellung erhalten in Kürze die Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Behörden und Verbände in den Bereichen Agrar/Ernährung/Gartenbau einen Fragebogen postalisch zugeschickt. Auch hier wird um die Teilnahme an der Beantwortung gebeten.

Die Fertigstellung und Veröffentlichung der Studie ist für März 2014 vorgesehen.

Frauen im Gartenbau schlechter gestellt

An der von Prof. Georg Ohmayer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) durchgeführten Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2012/2013 nahmen drei Universitäten und sechs (Fach-)Hochschulen teil. Insgesamt wurden 2.568 Absolventen eingeladen, den an ihr Studium angepassten Fragebogen auszufüllen. Geantwortet haben etwa 600 Absolventen, die 2008 oder später ihren Abschluss erworben haben. Es wurden Fragen rückblickend zum Studium gestellt, als auch Fragen zum Berufseinstieg und der Entwicklung im Beruf.

Die Bachelorstudenten studieren im Mittel an den Universitäten 40 Monate und an den Hochschulen 41 Monate. Die Masterstudenten haben eine mittlere Studiendauer von 26 Monaten.

Bei der Wahl des Studienortes stand vor allem für die Bachelor- und Diplomabsolventen die Wohnortnähe im Vordergrund (Bachelor 68% / Diplom 56%). Damit hat diese Priorität gegenüber 2007 nochmals zugenommen.

Die Masterabsolventen fanden hingegen ein interessantes Studienangebot und angenehme Studienbedingungen wesentlich wichtiger.

Bei den Praxiszeiten vor und während des Studiums für Bachelor- und Diplomabsolventen fand im Vergleich zu der Berufsfeldanalyse im Gartenbau 2007 ein erwartungsgemäßer Rückgang stand, das ist alleine auf den Wegfall von Praxissemestern an Hochschulen zurückzuführen. Dies steht in einem deutlichen Kontrast zu den geforderten mehr Praxisanteilen im Studium seitens der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zudem fordern die Absolventen eine bessere Schilderung der beruflichen Weiterentwicklung.

Knapp die Hälfte aller Absolventen gibt an, nicht nur während der Semesterferien und an den Wochenenden zu jobben, sondern auch in der Vorlesungszeit. Dies ist vor allem auch der Grund, warum sich die Quote der Absolventen, deren Studium sich verlängert, zugenommen hat. Auffällig ist, dass sich das Problem vom Diplom zum Bachelor zugenommen hat, beim Master jedoch eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Zufriedenheit mit dem Studium nach dem Abschluss ist bei den Absolventen gewachsen. Der größte Teil der Studenten (77%) würden wieder Gartenbau studieren, 64% davon am selben Standort.

Die Absolventen schätzen mehrheitlich den Ruf der eigenen Hochschule als gut oder sehr gut ein. Damit ist die „(sehr) gut“-Zustimmungsquote im Vergleich zu 2007 um 7-Prozentpunkte auf 77% gestiegen.

Der Übergang vom Studium zum Beruf verlief meistens problemlos. So bewarb sich der Bachelorabsolvent auf 11,3 Stellen, der Diplomabsolvent hingegen nur auf 8,9 Stellen. Der Masterabsolvent schrieb indessen etwa 14,4 Bewerbungen, was auf die Spezialisierung der Absolventen zurückzuführen ist.

Wie in allen Branchen gibt es auch bei den Absolventen im Gartenbau signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Nahezu 86% der befragten Absolventen waren zum Zeitpunkt der Befragung berufstätig. Bei einer Geschlechtsdifferenzierung zeigte sich, dass 91% der Männer und 81% der Frauen berufstätig waren. Dies zeigt eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zur Absolventenbefragung 2007. Zum damaligen Zeitpunkt waren 93% der Männer und 91% der Frauen berufstätig. Ob dies eine entgegengesetzte Entwicklung zum allgemein herrschenden Trend, der Berufstätigkeit der Frau, ist oder nur Zufall, lässt sich schwer nachvollziehen.

Nach Abbildung 1 gaben insgesamt 48% der Absolventen an, Vorgesetzter zu sein. Jedoch spaltet sich dies wie folgt auf: 63% Männer und 35% Frauen hatten eine Position als Vorgesetzter.

Dieser große Geschlechtsunterschied zeigte sich auch in der Vollbeschäftigung. Insgesamt sind 81% der Absolventen vollbeschäftigt, eine Differenzierung nach dem Geschlecht zeigt, dass nur 70% der Frauen vollbeschäftigt sind, bei den Männern sind es hingegen 91%. Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Vollbeschäftigten beträgt 48,7 h/Woche.

BHGL-Forum: Persönlicher Austausch bei Wissens- und Technologietransfer wichtig

Am 15. November 2012 lud der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) nach Hannover ein. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie verhindert werden kann, dass nach Abschluss von Forschungsprojekten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und neuen Technologieansätze zwar sorgsam in Publikationen und Berichten veröffentlicht werden, anschließend jedoch oft in der berühmten Schublade landen.

Diese wird heute auch gern mit dem „Tal des Todes“ umschrieben, in welches Innovationen abstürzen, die den Sprung vom Ufer der Forschung und Entwicklung zum Ufer der Praxis nicht schaffen.

Prof. Wolfgang Bokelmann von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte die Sektorstudie zur Untersuchung des Innovationssystems der deutschen Landwirtschaft vor. Er forderte, dass Netzwerkmanagement zu professionalisieren und hierfür entsprechende Mittel bereitzustellen. Der gesamte Innovationsprozess kann u.a. dadurch gestärkt werden, dass die Politik zunehmend Impulse für nachhaltige Innovationen setzt, die Verbrauchererwartungen konsequenter im Innovationsprozess berücksichtigt werden sowie Kontinuität in der Forschung und Entwicklung hinsichtlich Personal und Ressourcen gewährleistet wird. Harald Braungardt von der STEP Systems GmbH sieht vor allem die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, die von der Praxis gelesen werden, und in gemeinsamen Marketingaktivitäten als die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperationen. Nach Christopher Straeter wird innovationsfördernde Forschung im WEGA – Kompetenznetz Gartenbau in erster Linie durch die Bereitstellung einer offenen Netzwerkstruktur und der Fokussierung auf zeitlich befristete thematische Schwerpunkte initiiert. Im Rahmen des WEGA Verbundes kooperieren beispielsweise Obstbauern, Obsthändler mit der Hochschule Osnabrück und mit der Baumschule CAROLUS in Belgien, um gemeinsam eine leistungsfähige, angepasste und erfolgreiche Apfelsorte für Nordeuropa zu züchten. Die Apfelsortenzüchtung wird bislang kaum noch von staatlichen Einrichtungen betrieben. Neue Sorten wurden in der jüngsten Vergangenheit von privat betriebenen Einrichtungen herausgegeben. Dadurch müssen sich die Obstbauern und Händler den Lizenzverträgen fremder Sorteninhaber unterwerfen, erörterte Prof. Werner Dierend von der Hochschule Osnabrück die Beweggründe für den Züchtungsverbund.

Ein weiteres Verbundvorhaben ist die ZukunftsInitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG). Ziel dieses Verbundes ist es, für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern den Verbrauch fossiler Energie für die Heizung und damit die (fossilen) CO2-Emissionen möglichst auf Null zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein systemorientierter Ansatz durch Kombination technischer und kulturtechnischer Maßnahmen erforderlich. Die größte Herausforderung im ZINEG-Verbund ist der tägliche Kampf um den Erfolg der Teilprojekte, so BHGL-Präsident und Projektbeteiligter Prof. Uwe Schmidt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse der Untersuchungen werden durch Präsentationen vor Ort, Messen und Ausstellungen sowie Vorträge vor dem Berufsstand an die gärtnerische Praxis weitergegeben. Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück berichtete aus der Landespflege von dem Projekt „Grüne Doppik“. Ziel war die Entwicklung eines fachlich anerkannten Werkzeugs zur realistischen Bewertung von öffentlichen Grün- und Freiflächen.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle Referenten einig, dass künftig nicht nur Innovationen gefördert werden sollten, sondern auch Methoden zur Schulung für den Transfer. Die Beratung ist ein wichtiger Multiplikator, der sehr effizient arbeitet und dringend für den Wissens- und Technologietransfer gebraucht wird. Als besonders wichtig wird der persönliche Austausch von Wissenschaft und Praxis angesehen.