Schließung des Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzen Großbeeren/Erfurt e.V. (IGZ)

Berlin, 27.05.2016. Die deutsche Gartenbauwirtschaft ist ein oft unterschätzter mittelständischer Wirtschaftsfaktor. Unternehmen, die in Züchtung und Vermehrung von Jungpflanzen im Zierpflanzenbau tätig sind, gehören zweifelsfrei zur Weltelite in diesem Bereich. Dazu hat neben dem unternehmerischen Mut und Weitblick wesentlich auch die deutsche Forschungslandschaft in der Vergangenheit beigetragen. Das Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzen Großbeeren/Erfurt e.V. (IGZ) hat dazu einen wesentlichen, wenn nicht sogar einen entscheidenden Anteil beigetragen.

Die Deutschen Gartenbauwissenschaften stehen seit Jahren unter extremen strukturellen und kapazitiven Druck, insbesondere im Bereich der dringend notwenigen Ressourcen für Grundlagenforschung und Ausbildung des zukünftigen Führungspersonals an Universitäten, Hochschulen, den genannten Unternehmen und in der Berufsbildung.

Die beabsichtigte Schließung des Standortes Erfurt am Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt e.V. ist ein weiterer, für den Bundesverband der Hochschulabsolventen / Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) nicht nachvollziehbarer Schritt in dieser branchenschädigenden Abwärtsspirale. Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in der Gemeinschaft der deutschen Gartenbauwissenschaften sind national und international eng vernetzt. Damit wird trotz eingeschränkter Kapazitäten an einzelnen Standorten die Forschung und Entwicklung für eine nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und pflanzlichen Erzeugnissen von der Grundlage bis zur Anwendung gesichert.

Mit der beabsichtigten Schließung des Standortes Erfurt wird ohne Not in dieses gut etablierte Netzwerk eingegriffen. Die Schließung eines derartigen Standortes hat Folgen weit über die Grenzen von Thüringen. Der Verlust würde aber auch die dort traditionell anerkannten und gut entwickelten Produktionsstrukturen treffen und zieht auch Defizite bei Lehr- und Forschungsmöglichkeiten benachbarter und weiterer mit dem IGZ vernetzten Hochschulen nach sich und ist ein negatives Zeichen für den Berufsstand einer ganzen Region und dem oben geschilderten bisher sehr erfolgreichen Branchensegment.

Die von der Senatsgruppe der Leibniz-Gesellschaft angeführten Gründe für eine Standortschließung und damit verbundene Ressourcenabsenkung des IGZ sind in ihrer Sinnfälligkeit nicht nachvollziehbar und widersprechen dem Ergebnis der Gutachtergruppe, die das IGZ im Jahr 2015 unter den für die Leibniz-Gemeinschaft anerkannten Maßstäben mit sehr guten bis exzellenten Ergebnissen evaluiert hat.

Der BHGL versteht sich als Interessenvertreter des Berufsstandes im Gartenbau. Vom Universitäts- und Hochschulprofessor über forschende Wissenschaftler, auch und besonders an außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachlehrer und Meister bis hin zu Fachspezialisten in der Produktion und Dienstleistung braucht es Menschen, die gut ausgebildet dafür sorgen, dass eine Berufsbranche erfolgreich und nachhaltig Werte schafft und sich den Aufgaben des 21sten Jahrhundert stellt.

Der BHGL appelliert deshalb an den Senat der Leibniz-Gesellschaft zu ihren anerkannten Grundsätzen einer objektiven Leistungsbewertung ihrer Institute nach deren gesellschaftlichen Aufgaben und Satzungszielen zurückzukehren und insbesondere die Voten der Evaluierungsgruppen, bestehend aus renommierten Wissenschaftlern und anerkannten Fachleuten, zu respektieren.
Wir bitten deshalb mit Nachdruck darum, die getroffene Entscheidung zur Evaluierung des IGZ in der Leibniz-Gemeinschaft zu überdenken und die beabsichtigte Schließung des Standortes Erfurt zurückzunehmen.

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